Ich hab’s ja neulich schon geschrieben: Über Silvester bin ich mit dem Prinzen mal wieder in Thailand. Diesmal wollen wir mit dem Zug von Bangkok nach Chiang Mai im Norden fahren, d.h. wir werden viel unterwegs sein und ich brauche bequeme Klamotten. Und auch im Flugzeug und zuhause auf dem Sofa kann etwas bequemes nicht schaden, aber es muss ja nicht gleich der Ballonseiden-Trainingsanzug sein. Bequem und schick muss doch auch gehen.

Also dachte ich mir, machste mal ein Kleid aus Jersey. Im Netz werden an vielen Stellen die Schnitte von Cake Patterns sehr gelobt, und ich habe mir das Red Velvet-Kleid bei etsy als ebook gekauft.

Eigentlich bin ich ja kein grosser Fan der Print-at-home-(and-waste-a-lot-of-tape-and-paper) Schnitte, weil diese Schnibbelei einfach mühsam ist. Aber dafür kosten sie eben keinen Versand und sind sofort verfügbar. Ausserdem schneide ich ja ohnehin nie den Papierschnitt direkt aus sondern zeichne immer nochmal auf Folie ab, also ist es genau genommen auch nicht mehr Arbeit als ein gedruckter Schnitt.

Der Schnitt ist richtig schön und liebevoll gemacht und die Beschreibung ist exzellent. Vor allem die Grössenanpassungen sind wirklich gut: zur Bestimmung der Oberteilgrösse misst man den Umfang oberhalb der Brust. Jede Grösse gibt es mit 4 Körbchengrössen, diese ermittelt man dann anhand des Verhältnisses zwischen Brust- und Überbrustumfang. Das Rockteil wählt man entsprechend des Taillenumfangs und das Mittelteil passt man zwischen den beiden Teilen an, das ist auf dem Schnitt selbst sehr gut beschrieben.

Auch die Länge des Oberteils kann man nach Beschreibung anpassen. Im Schnitt selbst ist eine Längenänderung für das ganze Oberteil beschrieben, wenn man nur eine Änderung im vorderen Bereich braucht und die Rückenlänge stimmt, kann man eine “Deep Bust Alteration” machen, die Steph, die Designerin hinter Cake Patterns, hier auf ihrer Website beschreibt. Bei diesem Schnitt ist es sehr empfehlenswert, erstmal auf der Website zu lesen, was man alles machen kann und sich anzuschauen, was andere Leute, die das Kleid schon genäht haben, geändert haben.

Ich habe reichlich Jersey aus meiner Vor-Vintage-Zeit am Lager und habe mir für das erste Kleid einen ausgesucht, der mir eigentlich nicht mehr so gefällt – wenn es richtig mies wird, kann ich es immer noch als Nachthemd anziehen :-).

Erstmal die DBA gemacht … bitte notieren Sie, Fräulein Couturette: nicht nur vorne zugeben, sondern bitte auch den RÜCKEN KÜRZEN, zum Geier! … egal, machen wir beim nächsten Mal.

Jerseynähen ist blöd, ich muss mich erst wieder dran gewöhnen, die Nähte beulen ziemlich.

Das erste Testkleid hatte ich mit den angeschnittenen Ärmeln geplant, wie von der Designerin vorgesehen und mit der “Scherenfalte” und dem Blütenkragen.

Genäht (sehr gute Beschreibung), anprobiert – Kragen sofort wieder abgeschnitten, das sieht dann doch ZU schulmädchenhaft aus. Ausserdem war er wellig … Jersey, wie gesagt. Anstatt dem Kragen habe ich dann einfach ein Bündchen untergesetzt, natürlich beim Nähen überdehnt .. Jersey nähen sucks, sagte ich das schon? … Gummiband eingezogen – na also.

Angeschnittene Ärmel sind auch nix – am Armloch zu eng, dafür jede Menge Falten unter der Achsel – was logisch ist, wenn hier keine Rundung ausgeschnitten wird. Ausserdem fühle ich mich einfach wohler in Kleider mit richtigen Ärmeln. Also Kleid auf den Zuschneidetisch und frei Schnauze ein Armloch geschnitten, Ärmelschnitt von einem T-Shirt genommen und hineingepfriemelt.

Für den Saum hat Steph den Tipp, die Saumkante mit einem schmalen Vlieselineband zu bebügeln – das ist super. Streifen aufgebügelt, Saum mit der Ovi eingefasst, einmal umgeschlagen und mit Zickzack festgenäht. Das hat NICHT gebeult – ich hatte in der Zwischenzeit aber auch den Obertransportfuss angeschnallt. Und der Rock fällt dadurch wunderbar, weil dieser Saum das nötige Gewicht für einen schönen Schwung bringt.

Heute mal ohne Posen, ihr sollt einfach nur die Passform sehen. Der Rücken ist zu lang – wie immer, duh! Das sieht man auch vorne bereits, da die Mittelsektion in der Taille Falten wirft.

Das Oberteil könnte in der vorderen Mitte noch etwas länger sein – DBA nochmal mit mehr Zugabe machen.

Stellt man sich mal einigermassen gerade hin, sind die Falten an der Taille vorne gar nicht so schlimm

Fazit Kleid Nr. 1:

Gar nicht mal so schlecht für den Anfang. Die Ärmel brauchen noch etwas Feintuning, dachte ich … siehe Kleid Nr. 2. Ich muss mich bei Jersey wirklich mehr zusammenreissen, irgendwie habe ich immer das Gefühl, das MUSS unheimlich schnell gehen, ist ja nur oller Jersey. Und dann stecke ich die Naht nicht vor, zerre zuviel dran unter der Maschine und es schaut alles grässlich aus. Also, bitte mehr Geduld, dann klappts auch mit dem Jersey. Und diese Scherenfalte ist ein echter Bauchschmeichler. Die Wampe ist natürlich trotzdem da, aber das Kleid dümpelt irgendwie vorteilhaft darum herum.

Berauscht von dem schnellen Erfolg habe ich gleich noch ein zweites Kleid zugeschnitten. Und dann auch gleich aus einem meiner Lieblings-Jerseys, ich kann das, ich bin unbesiegbar. Diesmal mache ich die Ärmel aber ordentlich, dachte ich, und habe auch für das Armloch den T-Shirt-Schnitt aufgelegt. Das MUSS doch dann passen, dachte ich.

Äh, nein. Gar nicht.

Hinten ist das Armloch viel zu weit ausgeschnitten und auch vorne sitzt alles nicht richtig. Ich denke, das Armloch muss länger (weiter) werden, ich muss die Schulter etwas breiter machen und der Ärmel selbst darf auch noch etwas weiter werden. Kurz und gut, das ist gar nicht mal so einfach und auch wenn Jersey dehnbar ist, und ein paar Patzer verzeiht, ist irgendwo die Grenze erreicht. Vorne ist es nicht ganz so schlimm, aber schön geht anders.

Fazit Kleid Nr. 2:

Abgesehen von dem Ärmeldesaster passt das Kleid gut (ich habe die Mittelsektion insgesamt noch etwas gekürzt und die DBA könnte in der vorderen Mitte sogar NOCH weiter runtergehen.)

Es würde mir soooo gut gefallen dieses Kleidchen mit den roten Paspeln und ich würde es gerne retten. Aber wenn ich mir die Bilder jetzt so anschaue … ich glaube da stecke ich keine Arbeit mehr rein, das wandert in die Tonne. Oder ein Oberteil aus rotem Jersey mit grünen Paspeln und weitere Ärmel? Der karierte Stoff ist aufgebraucht, da geht nix mehr.

Unterm Strich muss ich doch sagen, dass das erste Kleid besser sitzt, aber ich glaube das sind wirklich nur die vergeigten Ärmel, also plane ich für Kleid Nr. 3 folgendes für die Ärmel:

Den T-Shirt-Schnitt (Armloch) so auf das Oberteil legen, dass er parallel zur Mitte (Stoffbruch) liegt. Messen, wie breit ich die Schulternaht haben will und den T-Shirt-Schnitt an die entsprechende Stelle schieben (immer noch parallel zur Mitte). Dann das Armloch zeichnen, eventuell auch die Schulter neu. Das hier ist nur schematisch, die Dimensionen stimmen sicher nicht. Ich mache nochmal Bilder von der eigentlichen Aktion, wenn es soweit ist.

Ich vermute, mein Fehler beim Kleid Nr. 2 war, dass ich den Shirtschnitt parallel zur Schulterschrägung gelegt hatte. Da aber die Schulterlinie beim Red Velvet recht steil nach unten geht, war das Armloch zu stark einwärts gedreht, das ist jetzt der Stoff, der mir am Rücken fehlt. Oder wenn ihr sonst noch einen guten Tipp für das Anbringen der Ärmel habt, immer her damit. Ich will diesen Schnitt nämlich unbedingt für mich perfektionieren, denn diese Kleider sind saumässig bequem und schnell genäht wenn man den perfekten Schnitt hat. Ausserdem habe ich noch viel Jersey auf Lager, der endlich mal weg muss.

Und wenn ich dann das mit den Ärmeln richtig kann, probiere ich noch das Tiramisu-Kleid von derselben Designerin aus. Da dieses auch angeschnittene Ärmel hat, muss dann wohl dieselbe Anpassung vorgenommen werden.

Ach ja, der Red-Velvet-Schnitt enthält übrigens noch eine kleine verdeckte Reissverschlusstasche zwischen Rock und Mittelsektion. Habe ich mir erstmal gespart, weil ich ja noch am rumprobieren bin, aber das ist eine wirklich nette, praktische Idee.

Und wer sich gerne Schritt für Schritt alles erklären lässt, kann sich hier durch Stephs  ausgezeichnet erklärten Sewalong klicken