Ich hab beim Aufräumen ein unterhaltsames Blättchen aus dem Beyer-Verlag gefunden. Die Idee mit der selbstgemachten Schneiderbüste ist also offenbar auch schon etwas älter, denn die gutgekleidete Frau Fröhlich aus der Siedlung „Sonnenschein“ hat sich wohl schon in den frühen 50ern eine gebastelt.

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Ich bin seit Monaten am umräumen und umorganisieren meines Nähzimmers. Ein wichtiger Teil davon war, mir mal einen Überblick über meine ganzen Schnitte zu verschaffen. Seit neuestem wohnen sie alle in DIN A5-Gleitverschluss-Beuteln in diesem Schubladenschränkchen vom Schweden.

Als ich sie eingeräumt hatte, stellte ich erschrocken fest, dass die drei 40 cm tiefen Schubladen NICHT reichen, daher steht nun oben noch eine Kiste drauf, was mir gar nicht gefällt, denn das Schränkchen steht direkt neben meiner Nähmaschine und ich wollte es eigentlich als Erweiterung des Anschiebetisches nutzen und nun ist die hübsche aber blöde Kiste im Weg.

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I have been reorganizing my sewing space for months now. An important part was to get an overview on my patterns. I recently put them all in small zip lock bags and bought a small drawer cabinet at IKEA. Enthusiastically I started to put all my patterns in and realized with a shock that they wouldn’t fit, so now I have an additional box on top of the cabinet. I don’t like this AT ALL because I wanted to use the top of the cabinet as a sort of table extension for the sewing machine and now there is this lovely but silly box, not good. Read More →

vorher / before
all my ribbons, lace and elastic stuffed haphazardly in one large box

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zwischendurch /In between
getting professional consultancy

 

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Nachher / after

everything wrapped around equally sized pieces of cardboard and stowed in transparent boxes

 

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I’m so awesome

🙂

 

In den letzten paar Wochen habe ich mal ein bisschen kriminelle Energie mobilisiert und den Schnitt meiner Lieblingshose abgekupfert.

In the last few weeks I mobilised all my criminal energy and ripped off the pattern of my favorite jeans.

Es handelt sich um eine Hose im Stil der 1940er (was sonst). Das Modell  hatte ich vor etwa 3 Jahren schon einmal gekauft und wollte bereits damals den Schnitt abnehmen, um die Hose auch aus anderen Stoffen zu nähen, kam aber nicht gleich dazu und dann war sie recht ausgeleiert und es wurde nichts aus der Aktion. Da die erste Hose mittlerweile schon gut abgetragen ist, habe ich mich nun entschlossen, eine neue zu kaufen und diesmal GLEICH den Schnitt abzupausen, bevor sie wieder ausleiert.

As far as I know, the model is a repro of an original 1940ies jeans. I  already bought one of those three years ago and wanted to copy the pattern then to be able to make the pants from other fabric than offered by the manufacturer, but I didn’t find the time. After wearing it for a long time it shows a lot of wear and tear in the meantime and I decided to get a new one and rip off the pattern right away as long as it is still new and crispy.

Das Kopieren geht eigentlich recht einfach und man muss auch nicht etwa die Hose auftrennen, wie man an manchen Stellen im Internet liest. Man braucht nur durchsichtige Malerfolie aus dem Baumarkt (am besten die extrastarke), Stecknadeln, ein langes Lineal oder eine Holzleiste oder ähnliches (um zu verhindern, dass man durch 2 Stofflagen durchsticht) und einen wasserfesten Filzstift.

Copying the pattern was really simple and no, you don’t have to unpick the whole garment (as described on some webpages). You need strong transparent plastic sheets, pins, a long ruler or similar as a separator to avoid pinning through 2 layers of fabric and a waterproof marker.

Zunächst legt man die Hose so auf den Tisch, dass eine Naht (hier die Seitennaht) gut zugänglich ist.

First step is to lay out the pants on the table so that one seam (here the side seam) is accessible.

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Dann legt man die Malerfolie auf und steckt sie entlang der Naht fest.

Place the transparent sheet on the pants and pin it down along the side seam.

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Hier hilft das Lineal, das man in das Hosenbein hineinschiebt – so vermeidet man, die beiden Stofflagen zusammenzustecken.

Here it is helpful to push the ruler into the trouser leg to avoid pinning the two layers together.

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Wenn die Naht gut festgesteckt ist, bringt man noch ein paar Nadeln entlang der vorderen Mitte an, die Folie dazu gut glattstreichen von der Seitennaht zu Mitte hin  – sie muss gut am Stoff anliegen und keine Blasen oder Falten bilden. Dann nimmt man die Hose mitsamt Folie und faltet das Bein so, dass nun die Schrittnaht und die innere Beinnaht glatt oben liegen. Wieder die Folie glattstreichen und entlang der beiden Nähte stecken.

When the seam is pinned down thoroughly, add a few more pins down the center front of the pants (use the ruler) and make sure that the sheet is lying flat, no bubbles, no pleats. Then take the trouser leg up together with the sheet and fold it so that the crotch seam and the inner leg seam are accessible. Again smooth out the sheet so there are no bubbles or wrinkles. Pin down both seams.

 

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Mit dem Filzstift die Nahtlinien anzeichnen, auch oben am Bund. Auch die Größe und Lage der Taschen kann man so abzeichnen.

With the marker draw lines along all of the seams, also at the waistline. You can also mark the size and position of the pockets in this step.

IMG_20150111_141308Wenn alle Linien übertragen sind, die Folie abnehmen und noch die gewünschte Nahtzugabe (hier 1 cm) anzeichnen.

When all seams are transferred, remove the pins and add the desired seam allowance (I used 1 cm here).

IMG_20150111_142303Entlang der NZG-Linien ausschneiden und fertig ist der Hosenschnitt – sorry für das unscharfe Bild:

Do the same for the back of the pants and the pockets and cut out all pattern piece along the seam allowance lines (please pardon the blurry picture).

IMG_20150111_153632Die 194oer-Jeans haben noch eine Besonderheit: der Reissverschluss sitzt in der linken Tasche, eine sehr schöne Verschlusslösung, wie ich finde.

The 194oies Workpants have the zipper closure on the inside of the left front pocket, this is a nice solution as there will be no fly and no visible zipper in the side seam.

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Wenn man das ganze von innen betrachtet, sieht man, dass in die Tasche einfach ein Schlitz eingeschnitten wurde und der Reissverschluss und ein Untertritt in den Schlitz hineingesteppt werden. Das bereitet man beim Nähen als erstes vor und verarbeitet das Teil dann genauso wie eine einfache Tasche. Der Bund überlappt dadurch automatisch und wir einfach mit einem Knopf geschlossen – wirklich genial gelöst.

If you look at the zippered pocket you’ll see that the construction is really simple. You simply make a lengthwise slit in the pocket and stitch the zipper under it. Add an underlap and use the resulting part like you would use the normal pocket. The waitband will overlap and a button can be added to close it. Simple and elegant 🙂 .

Und so sitzen die beiden Hosen: Das Original mit grüner Bluse (die dringend noch einen Knopf unten am Bund braucht) und mein Nachbau mit der gemusterten Bluse.

And here is the fit comparison. The original with the green blouse (which desperately needs another button at the seam) and my replica with the patterned blouse.

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Die Passform isst nahezu identisch – Mission erfüllt, ich habe einen neuen Jeans-Schnitt. Der schmale Umschlag an der Replika-Hose sieht besser aus, oder?

The fit is almost identical – mission accomplished, I have a new pattern for denims. I think the smaller cuff on the replica looks better, do you agree?

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Ich bin mit dem Schnitt sehr zufrieden, das wird mein neuer Standard für Jeans und Cordhosen.

I am very happy with this pattern, this is going to be my new „standard“ patterns for jeans and corduroy pants.

 

Seit März habt ihr keine Bilder mehr von mir gesehen und ich habe kaum übers Nähen geschrieben. 2014 war ein turbulentes Jahr, es sind viele Dinge passiert und davon  nur wenige positiv. Das hat sich ein bisschen auf meine Motivation niedergeschlagen, ich habe nicht ganz so viel gemacht, wie ich mir vorgenommen habe und hatte oft überhaupt keinen Antrieb zu nähen und schon gar nicht zu bloggen.

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Manchmal habe ich Probleme, Dinge zu Ende zu bringen. Zum Jahresabschluss will man es im Nähzimmer schön ordentlich haben und dann fallen einem Dinge in die Hand, die sofort das schlechte Gewissen wecken. Ach herrjeh, das wollte ich doch letztes Jahr schon … du liebe Güte, das hatte ich ja ganz vergessen … was, das liegt IMMER noch da rum … ihr kennt das.

Sometimes I have problems to finish projects. As the year draws to a close, one wants to have a neat and tidy sewing room and that’s when you stumble over weird stuff. Hey, I wanted to finish this last year … oh dear, I had completely forgotten about THAT … gee, this is STILL lying around … you know, what I’m talking about.

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Retro und Vintage ist in, das hat sich wohl mittlerweile auch bis nach Offenburg rumgesprochen. Ab heute ist beim Zeitschriftenhändler das burda Sonderheft „Vintage“ erhältlich.

Für 7,90 Euro erhält man ein Heft mit 12 „neu aufgelegten“ Vintage-Schnitten aus den 50er-Jahren.

Auf der Website kann man einen Blick auf den Inhalt werfen:

Bild von burdastyle.de

Technische Zeichnung kriegt man derzeit noch nicht geboten, aber die Modellfotos kann man sich ansehen. Diese sind mal wieder in üblicher Burdamanier sehr seltsam gestaltet. Ich denke mir manchmal, dass der Burda-Fotograf nur widerwillig bei einem Schnittmustermagazin arbeitet, da er sich eigentlich zu höherer Kunst berufen fühlt. Oder wie kommt man sonst auf die Idee, ein Kleid so zu präsentieren:

Bild von burdastyle.de

Äh, ja, das ist … irgendwie … ein Kleid. Mit weitem Rock. Aus rosa Spitze. Und die Frau hat einen Wischmopp auf dem Kopf. Aber sonst kann man ja mal grade gar nichts erkennen und ich werde wieder einmal den Zorn meiner Zeitschriftenhändlerin auf mich laden, weil ich im Heft herumblättern muss um zu sehen, ob sich die Ausgabe von 7,90 Euro überhaupt lohnt.

Welchen Grössenbereich die Schnitte abdecken, ist leider auch nicht ersichtlich, wie ich von Leuten erfahren habe, die das Heft bereits haben, gehen einige Modell bis Grösse 44 – immerhin.

Nun ja, ihr merkt schon, ich bin auf den ersten Blick wenig begeistert, vor allem gefällt mir die Präsentation nicht. Irgendwie haben alle Bilder so einen BoHo-Schlamperlook-Touch, der für mich einfach nicht mit den superordentlichen 50ern zusammengeht.

Zum Teil ist es auch die Wahl der Stoff und Farben. Das hier zum Beispiel schreit doch förmlich „80er“, da hilft der fette Petticoat auch nicht.

Bild von burdastyle.de

Was ich auch etwas einseitig finde, ist die Auswahl der Modelle. Fast nur Kleider, und davon gleich mehrere Abend-/Cocktailkleider. Dabei hatten die 50ies doch auch andere Sachen zu bieten. Warum keine Caprihose, kein Knotenblüschen? Der Alltag kommt ein bisschen zu kurz, wie ich finde.

Aber um nicht immer nur rumzumeckern: es ist nicht alles schlecht. Ganz gut gefällt mir dieses Sommerensemble

Bild von burdastyle.de

und das strenge Kostüm

Bild von burdastyle.de

Werde ich das Heft kaufen?

Mal sehen, momentan denke ich eher nicht, aber ich werde es wirklich noch mal gründlich durchblättern und wenn ein Modell dabei ist, das mich auch von der technischen Zeichnung her anspricht, schlage ich trotz meiner Skepsis zu, man muss den Vintage-Style ja schliesslich unterstützen 🙂

NACHTRAG:

Abschliessend  will ich noch vermelden, dass ich das Heft letztendlich gekauft habe, denn ich wollte es doch etwas gründlicher anschauen und das rote Kostüm hat es mir wirklich angetan. Seht ihr, ich bin gar nicht soooo negativ 🙂

Die Käferjacke ist ein typisches Kleidungsstück aus der Zeit, die auch gut umgesetzt wurde, das ist aber nicht mein Geschmack, auch im Original nicht. Alle anderen Sachen sind eben einfach ganz normale Kleider und Röcke, die in jedem normalen Heft auch auftauchen könnten. Der Rock des rosa Kleides besteht aus geraden Teilen, d.h. hier muss in der Taille heftig eingekräuselt werden. Ich kann mir vorstellen, dass das sehr aufträgt, vielleicht sitzt das Model ja deshalb in der kaschierenden „Toilettenhaltung“ auf dem Sessel. Höchstens das Strandensemble wird vielleicht im nächsten Sommer noch einem Test unterzogen, mal sehen.

Ich sehe es aber nach wie vor noch so, dass man hier versucht hat, einen speziellen Stil so zu verbiegen, dass er möglichst der breiten Masse gefällt und das kann einfach nicht funktionieren. Herausgekommen ist ein weichgespültes Wischi-Waschi, aber das entspricht wiederum auch dem aktuellen Zeitgeist, oder? Immer schön politically korrekt, niemals aus der Masse herausragen, brav im Mainstream mitpaddeln und bloss nicht auffallen.

So allmählich stellt sich meine Inspiration wieder ein und ich habe wieder Lust auf ein paar Kleider.

Bit by bit, my inspiration is coming back and I want to have some new dresses.

Meine liebe Freundin TaylorMaid hat mir neulich einen tollen Original 40er-Schnitt von duBarry geliehen und ich wollte natürlich sofort loslegen und  habe einen meiner Lieblingsstoffe aus dem Lager geholt, eine wunderbare Viskose mit perfektem Vintagemuster. Aus diesem Stoff hatte ich mir schon vor einiger Zeit einen tollen (und teuren) Gürtel machen lassen – das würde alles perfekt werden, da war ich mir sicher.

My dear friend TaylorMaid borrowed me this gorgeous 40ies original pattern from DuBarry. And of course I wanted to start right away and dug out one of my favorite fabrics – a lovely rayon with vintage pattern. I even had a (expensive) belt made from this fabric – everything would be perfect, I thought.

Nach mehr als 15 Jahren Näherfahrung sollte ich es eigentlich besser wissen – man schneidet nicht einfach einen neuen Schnitt aus seinem Lieblingsstoff zu und alles wird perfekt. Aber die Ungeduld hatte mal wieder gewonnen und es kam wie kommen musste: der Fetzen passt nicht.

I reall SHOULD know better than to simply cut out a new pattern from my favourite fabric after more than 15 years of sewing. But impatience won out once more and the foreseeable happened – the dress didn’t fit at all.

Zum Glück war „nur“ der Rock in der Hüfte zu eng, alles andere  war eher etwas zu weit. Und ich hatte noch mehr Glück, denn von dem Stoff war reichlich vorhanden.

Luckily, „only“ the skirt was too tight in the hips, everything else was even a little bit too wide. And I was even luckier, because I had plenty of fabric.

Also habe ich den Rock wieder abgetrennt, und werde vorne und hinten eine Mittelbahn anstückelnt und den Schnitt von meinem altebewährten Hemdblusenkleid auflegen. Die Taillenweite passt zum Glück perfekt.

So I ripped of the skirt and willadd a centre panel in the front and back. I’ll used my tried and trusted Shirt dress pattern to make it fit – fortunately the waist circumference is the same.

Bei dieser Aktion kam mir dann der Gedanke mit dem modularen Kleid – wenn das Oberteil in der Taille passt und der Rock ebenso, dann könnte ich ja eigentlich die Schnittteile als „Kleiderbausteine“ nehmen und beliebig zusammenstellen. Und mit den Ärmeln müsste das auch funktionieren – vorausgesetzt, die Armausschnitte sind immer gleich – die kann man ja entsprechend angleichen.

While I was working on the dress I had the idea, that I could combine all my patterns in a modular system – as long as the waist of the skirt and bodice have the same width I can use any skirt and bodice and the same goes for the sleeves, provided that the armhole is shaped in the same way, which can easily be achieved.

Also werde ich in den nächsten Tagen meine Schnitte durchgehen und schauen, was sich als Kleiderbaustein eignet.

So I am going to browse all my patterns in the next days and see, which ones I can use as dress modules.

Ja, das ist wahr. Diesen Sommer habe ich so gut wie gar nichts genäht, meine Inspiration brauchte wohl mal Ferien. Gestern bekam ich Post von ihr:

Yes it’s true, I didn’t sew anything this summer. It seems my inspiration needed a vacation. Yesterday I found this in my mailbox:

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