So, weiter geht’s mit dem Rechnen. Wenn euch die viele Theorie schon nervt, und es euch in den Fingern juckt könnt ihr nebenbei schonmal eine Maschenprobe stricken, die braucht ihr ohnehin bald.

Aber erst mal zurück zum Planen: Als erstes müssen wir uns über die gewünschte Passform klarwerden. Im ersten Teil hatte ich ja schon erwähnt, dass der Pullover NICHT mit negative ease gestrickt wird, sondern ein bisschen locker sitzen soll. Ihr müsst für euch entscheiden, ob euch das so gefällt. Die „typischen“ 40er Pullis sind im Brustbereich enganliegend und da wir den Pulli nun neu berechnen werden, haben wir es selbst in der Hand, wie locker oder eng er sitzen soll.

Also: falls ihr positive ease stricken wollt, wie hier angegeben, dann rechnet auf eure Körpermasse (Oberweite und Taille) ein paar Zentimeter drauf, typischerweise würde ich 1,5- 2 Inch (4-5 cm) komplett nehmen, das wären dann pro Rumpfteil 2 – 2,5 cm auf die Masse A und B.

Wenn ihr mit negative ease stricken wollt, zieht ihr an der Oberweite etwas ab. An der Taille würde ich nichts abziehen, die Pullis rutschen gerne hoch, wenn sie in diesem Bereich sehr eng sind. Tasha schreibt in ihrem Vintage Sweater Knitalong zum Thema negative ease: We’re going to assume that the person wearing the sweater wants to keep the original shape, and would like 1″ of negative ease at the bust and 2″ positive ease as the waist. Dieses Prinzip hat sich nach meiner Erfahrung gut bewährt.

Das gleiche gilt beim Armumfang (Masse I und K). Sollen die Arme spack sitzen oder eher locker? Entsprechend gebt was zu oder zieht was ab. Dem Bild nach hat der Arm nicht viel zusätzliche Weite, ich würde ihn hier genau auf den Armumfang stricken, das Bündchen wieder mit dünneren Nadeln, damit es gut sitzt. Später bei der Armkugel können wir noch entschieden, ob wir einen Puffärmel oder eine einfache Armkugel haben wollen.

Auch die Länge können wir nun frei entschieden. Soll der Pulli taillenkurz sein, bis zu den Hüfte gehen, oder eine andere Länge? Eure Entscheidung. Oder, wenn ihr es eben stilpolizeimässig genau nehmen wollt, schaut euch das Bild an und leitet daraus eure eigenen Masse ab. Hier gehen z.B. die Ärmel bis knapp über den Ellenbogen und der Pulli etwa bis zum Hüftknochen.

Wenn ihr einen Pulli habt, bei dem euch die Passform besonders gut gefällt, könnt ihr auch diesen ausmessen.

Hier ist nochmal die Schemazeichnung ohne Massangaben, ihr könnt eure eigenen Werte eintragen.

Damit ich von der ganzen Arbeit, die ich mir mache, auch was habe, nehme ich hier mal meine eigenen Masse … und hier seht ihr dann auch gleich, dass es mit diesem Prinzip auch gelingt, die Grösse des Strickstücks WESENTLICH zu verändern. So will ich den Pulli haben – tailliert mit leichtem negative ease:

Als erstes müssen wir natürlich die leidige Maschenprobe machen. Aber ich finde das eigentlich gar nicht schlimm, denn so kann man das Muster ausprobieren und sieht auch gleich, ob einem das Strickbild gefällt. Andernfalls hat man 100 und mehr Maschen auf der Nadel und merkt vielleicht erst nach 10 cm, dass das Muster in dem gewählten Garn gar nicht gut aussieht und hätte viel mehr Zeit verplempert.

Also Maschenprobe. Wer nach Text stricken kann, hat es bei der Anleitung leicht, für alle anderen habe ich eine Mini-Strickschrift erstellt – das Muster besteht nur aus 2 Reihen, es ist supereinfach zu stricken.

Und so sieht es aus.

Unten ist die Original-Farbstellung aber ich habe mehr weisses Garn als rotes, also werde ich die Reihen umgekehrt machen.

Meine Maschenprobe:

28 Ma x 38 Reihen = 10 x 10 cm

bzw. 2.8 Ma x 3.8 Reihen = 1 x 1 cm, damit rechnet es sich leichter

Jetzt haben wir alle Informatione zusammen, die wir zur Neuberechnung brauchen.

Rumpf bis zum Armloch

Ich brauche an der Taille 45 cm, muss also

45 cm x 2.8 Ma = 126 Ma anschlagen.

Dann stricke ich mit einer 0.5 mm kleineren Nadelstärke das Bündchen in 1 re 1 li für 9 cm und steige dann auf die normale Nadelstärke um.

Um auf die Oberweite zu kommen, habe ich jetzt 29 cm Gesamtlänge – 9 cm Bündchen = 20 cm = 76 Reihen zur Verfügung. Und ich muss von 45 cm (126 Ma)  auf 51 cm (142 Ma) kommen, also insgesamt 16 Ma zunehmen. Diese will ich jeweils an den Reihenenden zunehmen und zwar gleichmässig verteilt also auf  76 Reihen je 8 Ma auf jeder Seite =  9.5, abgerundet 9 Reihen.

126 Ma anschlagen und 9 cm im Bündchenmuster 1 re 1 li stricken.

8 Mal in jeder 9. Reihe am Anfang und Ende je eine Masche zunehmen -> 142 Ma gesamt.

Ohne weitere Zunahmen stricken bis auf 29 cm Gesamtlänge.

Armausschnitt

Hier finden wir als erstes heraus, wieviel Maschen wir loswerden müssen:

51 cm Breite B – 38 cm Breite E = 13 cm = 36 Maschen. D.h. auf jeder Seite müssen 18 Maschen für den Armausschnitt abgenommen werden.

Ich persönlich bevorzuge für das Armloch die Technik, die auch Tichiro in ihrer Anleitung beschreibt, nämlich:

1/3 (abgerundet) der Maschen abketten, HIER: 6 Maschen

1/3 (aufgerundet) in jeder Reihe abnehmen, HIER: 6 Maschen

1/6 (aufgerundet) in jeder 2. Reihe abnehmen, HIER: 3 Maschen

den Rest in jeder 4. Reihe abnehmen, HIER: 3 Maschen

Das ganze natürlich auf jeder Seite und zwar jeweils am Anfang bzw. am Ende der jeweiligen Reihe. Dadurch entsteht ein schönes gerundetes Armloch. Man muss sich aber klarwerden, dass dann auch die Armkugel nach dieser Methode gearbeitet werden muss, sonst passt das ganze nachher nicht zusammen. Ich empfehle unbedingt, Tichiros Anleitung zu lesen, sie beschreibt alles noch sehr viel ausführlicher.

Will man näher an der ursprünglichen Anleitung bleiben, kann man auch diese umrechnen.

Im ursprünglichen Text heisst es:

Cast off 7 sts, at the beg. of each of the next 2 rows, then dec. 1 st. at both ends of every row until 96 sts. rem.

Ursprünglich waren 130 Ma auf der Nadel, d.h. es werden insgesamt 130 – 96 – 14 Ma = 20Ma, also 10 Ma pro Seite abgenommen, davon 7 abgekettet, das entspricht etwa zwei Dritteln und der Rest wird einfach in jeder Reihe abgenommen. Meiner persönlichen Meinung nach ist das ein sehr seltsames Armloch, aber na gut, der Authentizität halber rechnen wir es trotzdem aus: wir müssen 18 Maschen insgesamt abnehmen, davon 2/3 sind 12. Also: 12 Maschen abketten, danach 6 mal in jeder Reihe je eine Ma am Anfang und Ende abnehmen.

In beiden Fällen wird danach ohne weitere Änderungen bis zur Gesamtlänge von C + G (HIER: 53 cm) gerade hochgestrickt.

Halsausschnitt

Wieviele Maschen werden für den Halsausschnitt benötigt?

G – 2xF = 38 cm – 2 x 10 cm = 18 cm = 50 Maschen.

In der Originalanleitung:

Ptn. 39, turn. Cont. in ptn. on these 39 sts., dec. 1 st, at neck edge on every row until 27 Sts. (…) Slip the centre 18 sts. on to a spare needle and leave for the neck

Auf jeder Seite werden je 39 – 27 = 12 Maschen  abgenommen und  18 Ma in der Mitte abgekettet, also etwas mehr als ein Drittel.

Wir müssen 50 Maschen loswerden verteilt auf die Höhe H = 4 cm = 16 Reihen. Etwas mehr als ein Drittel, sagen wir mal 18 Ma ketten wir in der Mitte ab (oder legen sie still), dann bleiben noch 50 – 18 = 32 Ma = 16 Maschen auf jeder Seite – perfekt! Also wird in jeder Reihe an der Innenkante (am Halsausschnitt) je eine Masche abgenommen.

Schulterschrägung

Kann man weglassen, wenn man will. Wer es aber genau machen will kann natürlich eine leichte Schrägung arbeiten.

Original:

Cast off 9 sts., work to neck. Next row: Work to end of row. Rep, these 2 rows once. Cast off rem. sts

Nach dem Halsausschnitt sind auf jeder Seite noch 27 Maschen auf der Nadel, diese werden durch drei geteilt und entsprechend abgekettet (immer an der Armseite).

Bei uns: wir haben noch 38 Ma auf jeder Seite auf der Nadel, also ketten wir im ersten Durchgang 12 Ma ab, im zweiten Durchgang nochmal 12 und ganz zu letzt dann die übrigen 14 Ma.

Der Rücken geht genauso, nur ohne Halsausschnitt, hier bleiben die mittleren 50 Maschen bis zum Schluss stehen.

In der Originalanleitung werden die Halsbündchen gleich an die jeweiligen Rumpfteile angestrickt und später mit der Schulternaht zusammengenäht. Kann man so machen, oder das Bündchen am Ende in Runden anstricken.

Soweit so gut – der Rumpf ist also schon fertig ist das nicht prima?

Im nächsten Teil stricken wir dann noch die Ärmel – ist doch gar nicht so schwierig, oder?

One Thought on “Anything goes, Teil 2. Den Pullover neu bemaßen

  1. Wow, das nenne ich mal wirklich gut und ausführlich erklärt – vielen Dank für Deine Mühe!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Post Navigation