Oder war das im Hunsrück? Also irgendwie jedenfalls gleich hinter Trier …. Geographie sechs, setzen Sie sich, Fräulein Couturette.

Miri war natürlich schneller mit ihrem Bericht und hat auch reichlich Bilder und ein Kurzfilmchen eingestellt, guckt ihr hier.

So brauche ich nur noch das Wochenende aus meiner Sicht hinzuzufügen. Denn anders als die liebe TaylorMaid 😉 hatte ich (zumindest am Freitag) nicht soviel Zeit, den Amis in die Jeeps zu hängen.

Ich hatte mich nämlich unvorsichtigerweise zum Brotbacken vorgedrängelt. Ich bin schon seit Jahren leidenschaftliche Hobby-Brotbäckerin, da mir die meisten Bäckerbrote nicht so gut schmecken, schnell schimmlig werden und ich lieber nicht wissen möchte, was da alles drin ist. Also backe ich mein eigenes reines Natursauer-Roggenbrot und halte mir dazu im Kühlschrank einen kleinen, but trainierten Sauerteigansatz. Als ich also gehört habe, dass es in Roscheid ein Backhaus gibt, wollte ich unbedingt die Gelegenheit nutzen, mal in einem richtigen Holzofen zu backen.

Vor Ort stellte sich dann heraus, dass der Hausmeister des Museums das Backhaus als sein persönliches Territorium betrachtet und mir am liebsten verbieten wollte, zu backen. Er hat mich gleich am Donnerstag abend schräg angemacht, dass nur „ja der Ofen nicht kaputt geht“ und dass alles nachher wieder piccobello sauber sein muss und war recht aggressiv und schlecht gelaunt. Erst habe ich mich ein bisschen aufgeregt und wollte die Backaktion komplett absagen, aber dann dachte mir „jetzt erst recht!“ und habe dann doch den riesigen Ofen angefeuert.

Dank der Hilfe von Miris „Hasen“ Frank (der beste Heizer der Welt) haben wir dann auch ein schönes Fegefeuer zustande gebracht und ich konnte am Freitag mit der Teigmatscherei anfangen. Nichts klebt übrigens so gut wie Sauerteig, wor allem an den Händen, der Kleidung und in den Haaren 🙂 . Als ich so bis zu Taille im Teig steckte – 40 kg Teig mit der Hand kneten !!! – kam der Hausmeister an und sagte mir, dass es eine Teigknetmaschine gäbe, ob ich die nicht nehmen wolle, er würde mir helfen den Teig hinzuschleppen und später beim Ausräumen des Ofens und Einschiessen der Brote würde er auch helfen und er seit übrigens „der Hermann“. Ach ja, warum nicht gleich so, hm?

Naja, mit der Knetmaschine war es vielleicht nicht ganz so authentisch, aber wesentlich einfacher, sonst würde ich wohl heute noch kneten. Als der Teig wieder aus der Maschine geholt werden musste, war das Haus gerade von Amis besetzt worden und ich erhielt die „Sondererlaubnis“ unter bewaffneter Bewachung den Teig zu holen.

O-Ton unserer „Amis“

Sergeant: „She wants what?“ – Private: „Dough. She has to get out the dough for making bread.“ – Sergeant: „Hä?“ – Privat: „Dough. Yeah – Dough.“ – „Dough? What the hell … just let her in and get out the bloody dough …“

Und dann hat der Typ sich so ungünstig wie möglich vor die Maschine gestellt und mir ohne eine Miene zu verziehen zugeschaut, wie ich den Teig aus dem Knetkessel gewuchtet habe, das war echt lustig.

Und da hausmeister Hermann und ich ja mittlerweile die dicksten Freunde waren, hat auch das Ausräumen und Einschiessen geklappt wie am Schnürchen und ich habe tatsächlich 20 leckere, fast perfekte Roggenbrote gebacken. Eigentlich hatte ich geplant Freitag UND Samstag je 20 Brote zu backen, aber ich war am Freitag abend sowas von erledigt durch das Kneten, Herumrennen, Teig schleppen, dass ich spontan beschlossen habe, das 20 Brote genug sind. Hätte ich gewusst, dass ich die Maschine nutzen kann, hätte ich locker einen viel grösseren Ansatz fahren können. Und hätte ich früher gewusst, dass das mit dem Ofen klappt, hätte ich auch mit den anderen Zivilistenhaushalten zusammen noch Kuchen in der Nachhitze backen können, und Schmorgerichte über Nacht reinstellen und, und, und …hätte der Hund nicht gekackt, hätte er den Hasen erwischt … Nachher ist man immer schlauer. Aber so wie es ausschaut sind wir in zwei Jahren wieder in Roscheid, dann wird das alles besser.

Ach ja, falls ihr mit Holzbacköfen nicht so vertraut seid: man macht das Feuer direkt im Backraum und wenn der Ofen die richtige Temperatur hat holt man die Glut und die Asche aus dem Ofen, kehrt ihn mit einem feuchten Besen gut aus und dann wird das Brot eingeschossen – also auf diesen grossen langen Holzschieber gestürzt und mit Schwung in den Ofen befördert. Mit eben diesem Schieber fischt man dann die fertigen Brote auch wieder raus.

Den Rest des Wochenendes konnte ich dann etwas entspannter angehen, meine Brote auf dem Amerikanerschwarzmarkt gegen Fleisch, Speck oder Zigaretten eintauschen, ein paar Amiuniformen flicken, böse Gerüchte über die französischen Besatzer streuen … und jeden Abend viiiieeeel Alkohol konsumieren, hicks!

Ich selber habe auf dem Event keine Fotos gemacht, und von mir gibt es auch nicht viele, ausser das Bäckerinnenbild, das ihr schon gesehen habt. Aber hier sind ein paar Impressionen, die andere Teilnehmer geknipst haben.

Die Amerikaner erobern Roscheid

Der Bürgermeister und der Militärgouverneur

Kaum sind sie da, gibt’s schon Arbeit für die Schneiderin

… und Schokolade für die Kleinen

Eigentlich waren sie doch recht nett, die Amis:

Im Kaufmannsladen gab es wenig zu kaufen – die Bonbongläser sind leider leer und auf Lebensmittelmarken bekam man nur Mehl und Salz.

Roscheider Bürger

Zum Feierabend musiziert der Wirt mit dem Herrn Bürgermeister.

Die Zahnarztpraxis. Zum Glück mustte ich die nicht besuchen 😉

Die MP vor der Kommandantur – sogar zu faul zum Stehen.

… aber alles wird gründlich durchsucht und manchmal finden sich erstaunliche Dinge

6 Thoughts on “1940ies Reenactment in der Eifel

  1. Tailor Maid on 16. Juli 2012 at 09:50 said:

    Hach, watt schön…..

  2. Gerlinde on 16. Juli 2012 at 13:43 said:

    Also wenn Du vom ‚Kleben‘ des Sauerteiges sprichst, kann ich Dir versichern, dass Roggen-Gluten wohl das krebrigste Zeug von ganz ueberhaupt zu sein scheint. Weiss der Geier, wie sich dessen ‚Kleber‘ wieder molekular vom Anderen abhebt, da denn insgesamt doch meist vertraeglicher als reines Weizenmehl!

    Ich hab‘ mich mittlerweile eher auf 2/3 Roggen und 1/3 Weizenmehl als Mischung eingeschossen auch noch 3/4 : 1/4 tolleriere ich gerade noch – ansonsten schlaegt bei mir mein Platzangst-Problem durch: das Kerlchen kann sonst wirklich ueberall sein und einem ‚androhen‘!
    Kann Dich soooo gut verstehen, als ich Deinen ‚Seufzer‘ ueber die nicht weitere Ausnutzung des Ofens lass; ich bausch‘ da auch immer gehoerig hinterher!

    Aber der ‚Hermann-Kampf‘ war nett; ganz DU in maennlicher Version, oder ? 😉 😀
    Kann mir naechstes Jahr so richtig guuut vorstellen, da viiiiel besser aufgrund von schon ‚zusammengerauft‘! 😉 😀

    Gute Erholung jetzt und liebe Gruesse,
    Gerlinde

  3. Ich wie der Hermann? Na ich weiss nicht so recht … ich bin doch so lieb und umgänglich 😀
    Ich mache fast immer reines Roggenbrot, das schmeckt uns am besten, hält lang und ich rede mir ein, es wäre gesünder. Aber da muss ich halt die Zementartige Sauerteigpampe in Kauf nehmen. Zuhause (wo ich nur 2 Brote auf einmal backe) löst dieses Problem aber meine Küchenmaschine.

  4. Susann on 16. Juli 2012 at 19:37 said:

    Hm, waren die Amis echt?
    Abgesehen davon…2. Weltkrieg reenacten finde ich echt gruselig. Das hat mir zu viele Familienmitglieder traumatisiert.
    Soll aber keine Kritik sein, jedem seine reenactment era! 🙂

  5. Gerlinde on 17. Juli 2012 at 05:29 said:

    “ … so lieb und umgaenglich.“

    Ja, und? Hermann doch auch – JETZT! 😉 😀

    Du, ich mach mir hier nur noch Sauerteigbrote selbst (hell und dunkel und ‚bunt‘ dazwischen und halb-halb die Pizzaboeden*. Ich bekomme im Umkreis von 50 km nur ‚australisches pseudo-Sauerteig-Brot‘. Von uns so benannt, weil dann zuuu flauschig lange aufgehen lassen bzw. ich verdaechtige eine Kombination von Backpulver, Hefe und Sauerteig (als letzte ‚Geschmackszutat‘ beigefuegt). Das Zeug hat keinen Griff, keinen Halt (zum ordentlich was drauf streichen ohne fast genauso durch zu rutschen, wie beim vielgehassten brittischen Weissbrot) und infolgedessen auch kein Gewicht.
    U/pers. Fav.’s sind: das Dunkle mit Kuerbiskernen eingearbeitet und Mohn oben und unten auf der Kruste!
    Das Helle: Sonnenblumenkerne eingearbeitet und Sesam und Leinsamenkerne unten und oben auf der Kruste (frisch ein ‚Saberer‘ vor lauter gut schmecken und wenn aufgetaut und getoatest auch noch ein Traum!
    Dazwischen alles Moegliche ‚in Weiss‘ als Kleingebaeck (mit oder ohne Milch) und der ‚Pizza-Boden-Rest‘ wird oefter mal ein tuerkisches Fladenbrot mit Sesam und Nigela Samen oder ein dickerer Blob als Foccacia in whatever sich ergebender Groesse!
    ABER es ist trotzdem ein Drama: fuer Semmelknoedel muss ich doch glatt extra Semmeln backen und mir selbige zum Verstecken vor meinen GoeGa fast in meine ‚5 Buchstaben‘ hochschieben um sie auch jaaaa gesichert zur Weiterverarbeitung zu retten!!! 😉
    Irgendwie ist Oesterreich wohl schon etwas zuuu nahe an Italien: glaubst Du, da waere IRGENDWAS ohne Brot als Beilage moeglich? Nudelsuppe VIELLEICHT – mal ausprobieren!
    Ich muss gestehen, Brot selber backen ist bei mir fast gleichwertig zum ‚Geld selber drucken‘ geworden! 😉 Lohnt jeden Aufwand!

    LG, Gerlinde

    * habe irgendwann Pizzaboeden als halb-halb Version ausprobiert und fuer gut befunden: die normale Hefe (Trocken; weil wo kriegt man sonst Lebendige hier ???) bringt ein gewisses Mass an ‚flotter Reaktion‘ welche durch den Belag wieder gebaendigt/geflacht wird und der Sauerteig den Geschmack und die Saftigkeit!
    Hat ‚gnae Hoerrrr‘ einmal irgendwann in der kuerzeren Vergangenheit den Pizza-Teig angesetzt und auch ‚ver-pizza-t‘
    und dann bedeppert an seinen Kuensten gezweifelt, warum diese nicht so gut wie sonst schmeckt (vor allem das Randstueck).
    Musste ich ihn aufklaeren, dass er den ‚Schuss Sauerteig‘ vergessen hatte !!! (= ‚Frau‘ kann auch manchmal fies ‚genus-not-talks-muchos‘ spielen und nichts sagen, wenn man nicht explicit danach gefragt wird! 😉

  6. Gerlinde on 17. Juli 2012 at 05:33 said:

    PS, zum Hermann in Schutz nehmen:
    Wuerde mich absolut nicht unnoetig mit DIR streiten wollen, wenn Du beschliesst, etwas fuer verteidigungswuerdig zu halten !!!! 😉
    Sorry, aber: it takes one to know one! 😉 😀
    Salopp uebersetzt: gleiches erkennt sich oefter! 😉 😀

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